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2017-04-10 21:12:53

Kleine Küken, volle Nester

Jungvogelalarm im Weltvogelpark Walsrode

Piepsen, Tschilpen, Krächzen – in allen Bäumen, Büschen, Sträuchern und manchmal auch unter den wärmenden Rotlichtlampen der Jungvogelstation macht der Nachwuchs im Weltvogelpark Walsrode lauthals auf sich aufmerksam. Kein Wunder: In der Natur bekommt eben der Jungvogel die größte Portion, der den Schnabel am weitesten aufreißt. Die Weltvogelpark-Biologin Antje Mewes kennt ihre Jungvögel ganz genau:

Familienleben wird beim Jägerliest, der wegen seines Rufes auch Lachender Hans genannt wird, großgeschrieben. Schließlich bleiben die Jungtiere bis zu vier Jahre bei ihren Eltern und helfen diesen beim Ausbrüten ihrer Geschwister. Bei ihrer Geburt sind die Küken noch nackt und blind, aber sehr gefräßig. Männchen und Weibchen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, die Kleinen zu füttern. Das schweißt offensichtlich zusammen: Jägerlieste sind sich ihr ganzes Leben lang treu. Nach rund vier bis fünf Wochen verlassen die Küken bereits vollständig befiedert das Nest und machen sich auf eigene Nahrungssuche.

Männchen unerwünscht – Zickenalarm bei den Kolibris

Männchen haben in den Nestern der Kolibris nichts zu suchen. Es sei denn, es handelt sich um männliche Küken. In der Welt der kleinsten Vögel ist die einzige Aufgabe der Männchen, die Weibchen zu befruchten, danach werden sie vom Weibchen verjagt. Die Eier des Kolibris sind gerade einmal so groß wie ein kleines Pfefferminzdragee. In den winzigen Nestern aus Spinnweben, Pflanzenfasern und Moos werden meistens zwei nackte und recht hilflose geschlüpfte Küken drei bis vier Wochen lang bis zu 140 Mal am Tag von der Mutter gefüttert, bevor sie das Nest verlassen.

Foto: Weltvogelpark Walsrode

Futtersuche? Männersache! Doppelschichten bei den Hornvögeln

Ohne das Männchen läuft in Sachen Brut und Nachwuchsfütterung bei den Hornvögeln gar nichts. Die monogamen Vögel haben eine der wohl ungewöhnlichsten Arbeitsteilungen rund um den Nachwuchs. Bereits bei der Balz bietet das Männchen dem Weibchen immer wieder Nahrung an. Das ist die Generalprobe für die Brut. Noch vor der Eiablage mauert sich das Weibchen mit getrockneter Erde regelrecht in ihrer Bruthöhle ein und lässt nur noch einen kleinen Spalt offen. Rund vier Monate lang füttert das Männchen dann das Weibchen und später auch die Küken. Dann brechen die „Höhlenbewohner“ die Versiegelung der Bruthöhle auf und die sofort flugfähigen Jungvögel verlassen das Nest.

Papa brütet doch am besten! Kurzzeitbeziehungen bei den Kasuaren

Kasuare sind große und sehr gefährliche flugunfähige Vögel aus Neuguinea. Sie sind sehr scheu und in der Beziehung nicht besonders treu. Die Weibchen verlassen das Männchen bereits kurz nach der Eiablage – oft, um sich mit einem anderen Männchen erneut zu paaren. Rund 50 Tage lang brütet das Männchen dann allein die drei bis fünf Eier aus. Die kleinen Kasuare können wenige Tage nach dem Schlüpfen laufen und folgen dem Vater für etwa neun Monate. Dabei sollte man dem Rothalskasuar in dieser Zeit nicht zu nahe kommen. Seine kräftigen Füße sind mit einer dolchartigen Innenzehe zu einer Art „Todeskralle“ ausgeformt, die der Feind eindrucksvoll zu spüren bekommt.

Nachwuchspflege im Kindergarten. Elternsolidarität bei den Flamingos

Bei den Flamingos ist die Jungvogelaufzucht Gemeinschaftssache. In den recht ungemütlich aussehenden Nestern aus getrocknetem Schlamm liegt jeweils nur ein Ei. Flamingos sind also Einzelkinder. Männchen und Weibchen lösen sich mit dem Brüten ab. Nach dem Schlüpfen werden die Nesthocker von beiden Eltern mit der sogenannten Kropfmilch versorgt, die von beiden Elterntieren im oberen Verdauungstrakt erzeugt wird und sehr gehaltvoll ist. Kropfmilch gibt es in der Vogelwelt sonst nur bei den Tauben. Mit 15 Tagen verlassen die Kleinen ihr Nest und versammeln sich mit anderen Jungvögeln in einer großen Gruppe zu einer Art Kindergarten, der durch jeweils ein oder mehrere erwachsene Tiere betreut wird. Das Fliegen lernen die Flamingos mit rund drei Monaten.

Quelle: PM Weltvogelpark Walsrode

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