Tag 15: Bodie - Eine Reise zu längst vergangenen Tagen
Verfasst: Fr 4. Mär 2016, 10:05
"Nothing endures but change.
Bodie has endured, but not without change from the elements and decay of time."
(Infotafel in Bodie)
Von Anfang an wollte ich unbedingt nach Bodie und die Geisterstadt war direkt zu Beginn fester Bestandteil aller Planungsversuche. In der ersten Phase wollte ich von San Francisco aus über den Sonora Pass nach Bodie fahren und dann über den Tioga Pass und das Yosemite Valley zurück nach San Francisco... Als Tagesausflug. Das war natürlich völlig utopisch und irgendwann habe ich eine vernünftige Lösung für alles gefunden. Gott sei Dank. Ich wollte unbedingt eine alten Western Geisterstadt sehen und die ganzen kleinen haben mich alle nicht überzeugt. Zumal die meisten Autoren der Reiseberichte von denen auch enttäuscht waren. Das Ergebnis stand schnell fest: Ich muss nach Bodie, der größten und besterhaltensten Geisterstadt der USA. Das wird der bisher mit Abstand längste Bericht von mir mit unverschämt vielen Fotos, aber ich kann mich einfach nicht für ein paar wenige entscheiden. Ich hoffe ihr könnt mir das verzeihen, zumal es ja immerhin nicht soooo oft Berichte aus dem Bodie State Historic Park gibt.
Der erste Blick auf diesen Ort fesselt mich sofort und ich bin hin und weg. Wir können direkt zum Kassenhaus durchfahren und unsere 3$ Eintritt bezahlen, es ist fast nichts los hier. Das liegt wohl daran, dass diese Gegend nicht gerade ein Touristen Hotspot ist und Bodie auch nicht so einfach erreichbar ist.
Wir parken auf dem Parkplatz und laufen los. Die ersten Gebäude stehen relativ weit auseinander verstreut in der Gegend rum und ... brrrrrrr... Ja, 18°C sind schon etwas anderes als über 40°C. Mit meinem Shirt und meiner kurzen Hose friere ich in der Sonne zwar noch nicht wirklich, aber frisch ist es schon, zumindest wenn ein Windzug kommt.
In viele der Gebäude kann man reinsehen und es sieht noch genauso aus wie zu dem Zeitpunkt, als der Ort fluchtartig verlassen wurde. Ihr werdet von diesen Bildern noch zahlreiche zu sehen bekommen, ich hoffe ihr langweilt euch nicht zu schnell.
Wie die meisten anderen Geisterstädte auch, ist Bodie zur Zeit des Goldrauschs entstanden, genauer gesagt im Jahr 1860. Der letzte Einwohner verließ den Ort in den 1940er Jahren, als das Goldvorkommen erschöpft war und die Lebensgrundlage des Ortes weggefallen war. In dieser kurzen Zeitspanne von nur ca. 80 Jahren hat Bodie eine erstaunliche Entwicklung durchlebt, denn zu seiner besten Zeit lebten hier über 5.000 Menschen, was die Stadt damals zu einer der größten in Kalifornien machte. Es gab allein drei Brauereien, die die 65 Saloons entlang der Main Street versorgt haben, sowie alles, was man damals zum Leben brauchte.
Das Leben war hart in Bodie. Zum einen waren (und sind) die klimatischen Bedingungen nicht besonders Lebensfreundlich und im Winter ist der Ort abgeschnitten von jeder Zivilisation. Die kühle, trockene und sehr dünne Luft (Bodie liegt auf einer Höhe von 2554 Metern) trägt allerdings dazu bei, dass die Stadt noch heute so gut erhalten ist und der Verfall nur sehr langsam voran schreitet.
Zudem galt Bodie als eine der wildesten und gesetzlosesten Städte des wilden Westens. Kein Tag verging, an dem nicht die ein oder andere Person erschossen wurde oder eine Postkutsche überfallen wurde.
Toiletten in dem Sinne gab es damals noch nicht, aber die Häuser hatten alle eine kleine Hütte im "Garten", in der das Geschäft verrichtet werden konnte. Angenehm gerochen hat es in der Stadt mit Sicherheit nicht.
Die meisten Wohnhäuser wurden so belassen, wie sie beim Verlassen des Ortes vorgefunden wurden. Die Einrichtung ist teilweise noch vollständig vorhanden. Schon komisch... Wie müssen sich die ehemaligen Besitzer dieser Häuser bei dem Gedanken fühlen, dass heute jeden Tag Touristen durch die Scheiben ihrer Wohn- und Schlafzimmer gaffen und sich darüber amüsieren, was für furchtbare Tapeten es damals so gab (Und zugegebenermaßen heute noch gibt)? Ein paar der ehemaligen, damals jungen, Einwohner dürften heute durchaus noch leben.
Warum sind all diese Menschen so fluchtartig abgehauen, dass sie sämtliche Einrichtung und volle Regale hinterlassen haben? Keiner weiß das so genau. Der ganze Dreck und der Verfall sind die einzigen Zeugen wie viel Zeit seitdem vergangen ist. Irgendwie ein sehr bedrückendes, seltsam emotionales Gefühl.
Absolut faszinierend fanden wir einen Blick in die Schule. Auch der Klassenraum ist noch komplett eingerichtet, so, als wäre die letzte Schulstunde des Tages vor wenigen Minuten erst zuende gewesen. Auf der Europa Landkarte an der Wand ist Deutschland noch eine ganze Ecke größer als heutzutage. Außerdem fällt auf, dass auch die kleinsten schon mit dem Leben in den Minen vertraut gemacht wurden, so steht auf dem Tisch ein Modell aus dem Bergbau.
tbc
Bodie has endured, but not without change from the elements and decay of time."
(Infotafel in Bodie)
Von Anfang an wollte ich unbedingt nach Bodie und die Geisterstadt war direkt zu Beginn fester Bestandteil aller Planungsversuche. In der ersten Phase wollte ich von San Francisco aus über den Sonora Pass nach Bodie fahren und dann über den Tioga Pass und das Yosemite Valley zurück nach San Francisco... Als Tagesausflug. Das war natürlich völlig utopisch und irgendwann habe ich eine vernünftige Lösung für alles gefunden. Gott sei Dank. Ich wollte unbedingt eine alten Western Geisterstadt sehen und die ganzen kleinen haben mich alle nicht überzeugt. Zumal die meisten Autoren der Reiseberichte von denen auch enttäuscht waren. Das Ergebnis stand schnell fest: Ich muss nach Bodie, der größten und besterhaltensten Geisterstadt der USA. Das wird der bisher mit Abstand längste Bericht von mir mit unverschämt vielen Fotos, aber ich kann mich einfach nicht für ein paar wenige entscheiden. Ich hoffe ihr könnt mir das verzeihen, zumal es ja immerhin nicht soooo oft Berichte aus dem Bodie State Historic Park gibt.
Der erste Blick auf diesen Ort fesselt mich sofort und ich bin hin und weg. Wir können direkt zum Kassenhaus durchfahren und unsere 3$ Eintritt bezahlen, es ist fast nichts los hier. Das liegt wohl daran, dass diese Gegend nicht gerade ein Touristen Hotspot ist und Bodie auch nicht so einfach erreichbar ist.
Wir parken auf dem Parkplatz und laufen los. Die ersten Gebäude stehen relativ weit auseinander verstreut in der Gegend rum und ... brrrrrrr... Ja, 18°C sind schon etwas anderes als über 40°C. Mit meinem Shirt und meiner kurzen Hose friere ich in der Sonne zwar noch nicht wirklich, aber frisch ist es schon, zumindest wenn ein Windzug kommt.
In viele der Gebäude kann man reinsehen und es sieht noch genauso aus wie zu dem Zeitpunkt, als der Ort fluchtartig verlassen wurde. Ihr werdet von diesen Bildern noch zahlreiche zu sehen bekommen, ich hoffe ihr langweilt euch nicht zu schnell.
Wie die meisten anderen Geisterstädte auch, ist Bodie zur Zeit des Goldrauschs entstanden, genauer gesagt im Jahr 1860. Der letzte Einwohner verließ den Ort in den 1940er Jahren, als das Goldvorkommen erschöpft war und die Lebensgrundlage des Ortes weggefallen war. In dieser kurzen Zeitspanne von nur ca. 80 Jahren hat Bodie eine erstaunliche Entwicklung durchlebt, denn zu seiner besten Zeit lebten hier über 5.000 Menschen, was die Stadt damals zu einer der größten in Kalifornien machte. Es gab allein drei Brauereien, die die 65 Saloons entlang der Main Street versorgt haben, sowie alles, was man damals zum Leben brauchte.
Das Leben war hart in Bodie. Zum einen waren (und sind) die klimatischen Bedingungen nicht besonders Lebensfreundlich und im Winter ist der Ort abgeschnitten von jeder Zivilisation. Die kühle, trockene und sehr dünne Luft (Bodie liegt auf einer Höhe von 2554 Metern) trägt allerdings dazu bei, dass die Stadt noch heute so gut erhalten ist und der Verfall nur sehr langsam voran schreitet.
Zudem galt Bodie als eine der wildesten und gesetzlosesten Städte des wilden Westens. Kein Tag verging, an dem nicht die ein oder andere Person erschossen wurde oder eine Postkutsche überfallen wurde.
Toiletten in dem Sinne gab es damals noch nicht, aber die Häuser hatten alle eine kleine Hütte im "Garten", in der das Geschäft verrichtet werden konnte. Angenehm gerochen hat es in der Stadt mit Sicherheit nicht.
Die meisten Wohnhäuser wurden so belassen, wie sie beim Verlassen des Ortes vorgefunden wurden. Die Einrichtung ist teilweise noch vollständig vorhanden. Schon komisch... Wie müssen sich die ehemaligen Besitzer dieser Häuser bei dem Gedanken fühlen, dass heute jeden Tag Touristen durch die Scheiben ihrer Wohn- und Schlafzimmer gaffen und sich darüber amüsieren, was für furchtbare Tapeten es damals so gab (Und zugegebenermaßen heute noch gibt)? Ein paar der ehemaligen, damals jungen, Einwohner dürften heute durchaus noch leben.
Warum sind all diese Menschen so fluchtartig abgehauen, dass sie sämtliche Einrichtung und volle Regale hinterlassen haben? Keiner weiß das so genau. Der ganze Dreck und der Verfall sind die einzigen Zeugen wie viel Zeit seitdem vergangen ist. Irgendwie ein sehr bedrückendes, seltsam emotionales Gefühl.
Absolut faszinierend fanden wir einen Blick in die Schule. Auch der Klassenraum ist noch komplett eingerichtet, so, als wäre die letzte Schulstunde des Tages vor wenigen Minuten erst zuende gewesen. Auf der Europa Landkarte an der Wand ist Deutschland noch eine ganze Ecke größer als heutzutage. Außerdem fällt auf, dass auch die kleinsten schon mit dem Leben in den Minen vertraut gemacht wurden, so steht auf dem Tisch ein Modell aus dem Bergbau.
tbc