Zoo Berlin
Neues Reich für große Tatzen im Zoo Berlin
Zwischen dichtem Bambus und plätschernden Bächen ist im Zoo Berlin eine neue Dschungellandschaft entstanden, die den Sumatra-Tigern Banyu (2) und Luise (3) ein abwechslungsreiches Zuhause und schattige Rückzugsorte bietet. Noch erkunden die zwei jungen Tiger scheu die fremde Umgebung, doch hin und wieder lässt sich durch das dichte Grün ein Blick auf die seltenste Großkatze der Welt erhaschen.
Gegenüber der bisherigen Tigeranlage im Reich der Jäger ist auf dem Gelände der ehemaligen Stelzvogelwiesen in den vergangenen zwei Jahren ein modernes Habitat entstanden, das den besonderen Ansprüchen von agilen Großkatzen gerecht wird und gleichzeitig eindrucksvolle Einblicke in das Leben dieser faszinierenden Tiere ermöglicht. Die beiden Außenanlagen bieten vielfältige Strukturen mit Wasserbecken, Flusslauf, kleinem Wasserfall, beheizten Liegeflächen sowie Kratz- und Kletterbäumen. Überspannt wird das Areal von einem rund 2.500 Quadratmeter großen Netz aus mehr als 60 Kilometern Edelstahldraht. Sieben Doppelbögen tragen die Konstruktion: Der längste Stahlbogen misst 25 Meter, hat einen Durchmesser von 25 cm und wiegt acht Tonnen. Auch im Untergrund wurde aufwendig gebaut: Damit die Konstruktion im weichen Berliner Boden dauerhaft stabil bleibt, stehen die Stahlbögen auf sogenannten Mikropfählen aus Beton, die je nach Position bis zu 14 Meter tief in die Erde reichen. Die Glasscheiben an den Besuchereinblicken sind vier Zentimeter stark und halten selbst einem 300 Kilogramm schweren Tiger problemlos stand. Ein hohler Baumstamm bietet Kindern einen abenteuerlichen Einblick in diesen neuen Dschungel-Lebensraum.
Das Bauprojekt hat insgesamt rund 7,6 Millionen Euro gekostet, der Zoo zahlte davon 3,7 Millionen Euro. Das Land Berlin förderte mit 3,9 Millionen Euro diese Anlage über Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). Staatssekretär Dr. Severin Fischer, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, war heute zur Eröffnung der neuen Netzanlage im Zoo Berlin zu Gast. „Der Zoo Berlin ist eine der traditionsreichsten Attraktionen der Stadt und begeistert Besucherinnen und Besucher aus aller Welt wie Berlinerinnen und Berliner gleichermaßen. Mit der neuen Netzanlage am Raubtierhaus bekommt der Zoo ein neues Highlight und erweitert den Lebensraum für seine Tiger.
Der Zoo investiert mit Unterstützung des Landes Berlin stetig in artgerechte Haltung und moderne Anlagen. Ich freue mich, dass die Senatswirtschaftsverwaltung Umbau und Modernisierung des Berliner Zoos seit 2016 mit GRW-Fördermitteln in Höhe von rund 20,4 Millionen Euro unterstützt - vom Neubau der Nashornpagode über die Erneuerung von Wegen, Beschilderungen und Sanitäranlagen bis hin zu der heute eröffneten neuen Tigeranlage am Raubtierhaus. Mit weiteren GRW-Mitteln, etwa für die Modernisierung des Aquariums und die touristische Aufwertung des Alten Turms der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, stärken wir nachhaltig die touristische Infrastruktur der City West, sichern Wertschöpfung und gute Arbeit in Berlin und leisten einen Beitrag zu einem wirtschaftlich starken und touristisch attraktiven Berlin.“
Sumatra-Tiger leben ausschließlich auf der indonesischen Insel Sumatra und zählen mit nur noch etwa 400 bis 600 wildlebenden Tieren zu den am stärksten bedrohten Großkatzen der Erde. Laut der Roten Liste der IUCN gilt der Sumatra-Tiger als „vom Aussterben bedroht“. Neben Lebensraumverlust und Wilderei bedrohen zunehmend auch Bevölkerungswachstum, Beuterückgang, Klimawandel, Krankheiten und politische Instabilität ihren Fortbestand massiv. „Gerade für hochbedrohte Arten wie den Sumatra-Tiger ist es entscheidend, dass zoologische Gärten sich weltweit vernetzen und Verantwortung übernehmen, für den von uns Menschen herbeigeführten Verlust der Biodiversität“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. „Arten wie Wisent oder Przewalskipferd sind eindrucksvolle Beispiele dafür, wie visionärer Artenschutz funktioniert: Diese Arten wurden in menschlicher Obhut bewahrt, lange bevor absehbar war, wo Tiere sicher wieder im natürlichen Lebensraum ausgewildert werden können. Zoos sind damit ein unverzichtbarer Pfeiler beim Schutz der biologischen Vielfalt.“
Auch internationale Schutzprogramme sind von zentraler Bedeutung. In den nächsten 100 Jahren könnten sich Tiger bei konsequenter Umsetzung aller realistischen Schutzmaßnahmen deutlich erholen und in alle geeigneten Lebensräume zurückkehren. Die Zoologischen Gärten Berlin engagieren sich gemeinsam mit dem WWF für den Schutz der Tiger in ihrem natürlichen Lebensraum. „Tiger durchstreifen im natürlichen Lebensraum viele Länder Asiens, unabhängig von politischen Linien. Ihr Schutz gelingt daher nur gemeinsam, über Grenzen hinweg und mit einem klaren Ziel: diese faszinierende Tierart langfristig zu bewahren“, erklärt Christian Kern, der zoologische Leiter von Zoo und Tierpark Berlin. „Einer der letzten Hoffnungsschimmer für diese majestätische Großkatze sind die Zoologischen Gärten mit ihren international koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen. Für den Sumatra-Tiger gibt es einen „Global Species Management Plan“ (GSMP), der alle regionale Erhaltungszuchtprogramme, wie zum Beispiel das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) zusammenführt und entsprechend global plant, um den Erhalt einer so bedrohten Tierart noch erfolgreicher sichern zu können“, fügt er hinzu. Der junge Tigerkater Banyu kam erst vor wenigen Wochen auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms aus Schweden nach Berlin. Nun soll er gemeinsam mit Tiger-Weibchen Luise zum Fortbestand der Sumatra-Tiger beitragen. In Berlin wurden in den vergangenen 70 Jahren mehr als 150 Sumatra-Tiger geboren - ein bedeutender Beitrag zur weltweiten Erhaltungszucht.