Themepark Tai aus Berlin, 05.08.2011 um 01:10:41
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Während sich im Westen Deutschlands und westlich davon Europas Top-Parks tummeln, sieht es in Mitteldeutschland eher finster aus. Dieser Umstand macht Belantis zum einzigen nennenswerten Themenpark in diesem Teil des Landes.
Immer neugierig auf neue Parks war heute der Tag gekommen, an dem ich auch diesen Park einmal unter die Lupe nehmen durfte. Los gehtâ€â„¢s:
Der als Schloss gestaltete Parkeingang wirkt aus der Ferne standesgemäß für einen â€Å¾besserenâ€Å“ Park. Das â€Å¾Schloss Belantisâ€Å“ entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen für sein Alter (Eröffnung 2003) als schon zu verwittert. Die Farben wirken verblasst, die Fassaden verschmutzt. Nach Durchschreiten dieses Eingangs offenbart sich dem Besucher ein Panoramablick auf einen Park, der hingegen wie frisch aus der Erde gestampft wirkt. Die Vegetation scheint noch frisch gepflanzt, weshalb sich karge Freiräume durch die Parklandschaft ziehen. Die eigentlich nicht zu weit voneinander entfernten Rides, scheinen auf diese Weise durch Leerräume separiert, sodass keine richtige Atmosphäre entstehen will.
Letztere wird bekanntlich durch das Theming und die Parkgestaltung erzeugt. Die Fahrgeschäfte sind fast alle thematisch in ihren Bereich eingebunden und oft sind auch tolle Ansätze in der Konzeption der Rides zu erkennen. Leider wirkt die bauliche Umsetzung hierbei meist laienhaft. So konnte ich zum Beispiel keine einzige Skulptur, Figur oder Plastik erspähen anatomisch korrekt war oder die nicht den Eindruck machte von Amateuren geschaffen worden zu sein. Das Selbe lässt sich leider auch über die Künstlichen Felsen, wie auch jegliche Bemalung im Park sagen - Zitat meiner Partnerin: â€Å¾Ist das da nun Blut oder Lava dort auf dem Stein?â€Å“(Es ging um einen Vulkan). Vermutlich hat dieser Misstand finanzielle Gründe oder es liegt an mangelnder Erfahrung des Parkmanagements.
Jedoch gibt es auch Lichtblicke in der Gestaltung. So ist die Pyramide die den â€Å¾Fluch des Pharaosâ€Å“ beherbergt enorm groß und die Einstiegsstation als authentisch aussehendes altägyptisches Binnenschiff gestaltet. Leider ist die dazugehörige Fahrt selbst so ansehnlich wie ein Spaziergang im Parkhaus. Zudem sind die Boote nicht hart verkleidet, sondern einfache Schlauchboote. Wegen der tollen Kanalelemente wie dem hohen Drop aus der Pyramide und dem darauf folgenden rasanten Spiralstrudel, ist dieser Ride dennoch ein tolles Erlebnis.
Einen weiteren gestalterischen Lichtblick stellt der Burgenkomplex rund um den â€Å¾Drachenrittâ€Å“ dar. Diese â€Å¾Wilde Mausâ€Å“ im mittelalterlichem Gewandt ist eines der Highlights des Parks und schlägt in Sachen Fahrspaß sogar Belantisâ€â„¢ Steckenpferd, den Coaster Huracan (Typ Eurofighter). Leider steckt der Themingteufel auch hier im Detail: Westernmusik in der Warteschlange und lieblose Dekoration der eigentlich imposanten Burganlage. In selbiger steckt übrigens auch ein amüsantes, mit dem Namen â€Å¾Verlies des Grauensâ€Å“ betiteltes Madhouse. Dass dieses Irrenhaus nur halb so groß ist wie seine Verwandten im Efteling, Phantasialand, Parque Warner, etc., tut dem Fahrvergnügen keinen Abbruch. Leider wirken hier die Animatroniken nicht mehr zeitgemäß - und das bei einem so jungen Park!
Was ich Belantis in Sachen Gestaltung zu Gute halten muss, ist der rigorose Verzicht auf Spielbuden mit Popmusik und bunten Billigplüschviechern. Diese Themingsünde hat schon viele tolle Parks ihrer Atmosphäre beraubt.
Einen weiteren Pluspunkt des Parks stellt der Abwechslungsreichtum innerhalb des Attraktionenangebots dar. So ist zum Beispiel derâ€Å¾Götterflugâ€Å“ ein interaktiver Thrillride, dessen Typ mir bis heute noch in keinem anderen Park begegnet ist.
Das vom Park als Megacoaster beworbene Highlight â€Å¾Huracanâ€Å“ konnte leider die Erwartungen nicht gänzlich erfüllen. Deutschlands teuerste Neuheit 2010 verteilt nämlich fleißig Ohrfeigen. Die Fahreigenschaften der Chaisen sind einfach zu ruppig, als das die Bahn wirklich Spaß macht.
Einer der größten Kritikpunkte aber, sind die lächerlichen Kapazitäten aller Attraktionen des Parks. So existiert kein einziger Ride, der auf eine erhöhte Besucheranzahl ausgelegt wäre. Dadurch ergaben sich bei meinem Besuch (Mittwoch, Sommerferien) unverhältnismäßig horrende Wartezeiten bei relativ unspektakulären Attraktionen. Zu dem sind die meisten Wartebereiche unüberdacht, weshalb mir gegen Abend nur noch krebsrote Menschen entgegen kamen - Ja es war ein sonniger Tag. Ich kann mir auch bildhaft das feucht-fröhliche Warten an einem regnerischen Tag ausmalen. Hier wurde definitiv am falschen Ende gespart.
Ein weiteres â€Å¾GEHT-GAR-NICHTâ€Å“ ist das pedantische Verhalten einiger Parkmitarbeiter. Dies äußerte sich von übertriebenen Sicherheitsanweisungen bei den Rides, über dreist-offensive Verkaufstaktiken, bis hin zur Erziehung fremder Kinder. Da wird die fest sitzende Basecap zwangsentfernt. Da stellen sich einem Eisverkäufer in den Weg und fragen ob man ein Eis wolle. Da erziehen Mitarbeiter 6-jährige Mädchen, die sich beim Ausgang der Attraktion vordrängeln, indem das unartige Kind zur Strafe abwarten muss, bis alle anderen Gäste den Ausstieg verlassen haben. Zusätzlich zu dem Übel hat das Personal keine themenbezogene Kleidung, sondern trägt hässliche Belantis Shirts und billige Schirmmützen.
Vieles ist noch nicht optimal und verbesserungswürdig. Dennoch birgt Belantis viel Potenzial: Durch seine geographische Lage hat es in seinem Metier eine Monopolstellung. Es hab bereits eine nette Auswahl an Attraktionen und es gibt genug Raum für Expansion. Einen Besuchermangel konnte ich bei meinem Besuch auch nicht diagnostizieren, sondern vielmehr das Gegenteil. In der Liga der Großen kann Belantis noch lange nicht mitspielen, was es aber auch nicht muss. Von mir als Themepark-Junkie erntet der Park zwar nicht mal ein müdes lächeln, aber für Familien aus der Region ist Belantis sicherlich ein toller Freizeitspaß.
Auf der Skala 0(Dorfkirmes) bis 10(Disney) ist bekommt Belantis von mir eine
4,5/10