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Heide Park vor dem Aus?

Sinkende Besucherzahlen, ausbleibende Großinvestitionen und wachsende Kritik: Der Heide Park steht vor großen Herausforderungen. Kann die neue Geschäftsführung den einstigen Publikumsmagneten wieder auf Erfolgskurs bringen, oder droht dem traditionsreichen Freizeitpark eine ungewisse Zukunft? Ein kritischer Blick auf die aktuelle Situation und die Perspektiven des Heide Parks.

Von Andrej Woiczik • 04. November 2026

Wie ich in meinen Artikeln über den Heide Park in den vergangenen zehn Jahren bereits mehrfach ausgeführt habe, liegt mir dieser Park sehr am Herzen. Umso mehr bedauere ich die Entwicklung meines einstigen Lieblingsparks.

In letzter Zeit tauchen vermehrt Videos und kleinere KI-generierte Dokumentationen auf YouTube auf, unter anderem das Video „Der traurige Untergang des Heide Parks“. Mittlerweile wurde dieses Video über eine Million Mal aufgerufen (Stand: 04.11.2026).

Trotz des sehr engagierten Einsatzes des Heide-Park-Social-Media-Teams in den zahlreichen sozialen Medien kann dieses den negativen Trend des einstigen Majorparks in Deutschland nicht stoppen.

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Foto: Andrej Woiczik
Direkt am Eingang fällt der Blick auf das seit Langem geschlossene Heide Dorf

Seit der Eröffnung der Achterbahn „Flug der Dämonen“ im Jahr 2014 gab es keinen großen Entwicklungsschub mehr. Der Park bestätigte offiziell, dass auch für die Saison 2027 keine neuen Großattraktionen geplant sind.

Der Betreiber Merlin Entertainments ist hoch verschuldet. Hinter dem Konzern steht ein Eigentümergeflecht aus großen Investoren, zu denen unter anderem die dänische Unternehmerfamilie hinter KIRKBI, den Eigentümern der LEGO-Gruppe, sowie die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone gehören. Zudem belasten langfristige, teure Mietverträge für das Parkgelände (unter anderem mit LondonMetric Property) die Bilanz, weshalb kaum Geld in Erweiterungen fließt.

Teile des Parks wie das alte „Heide-Dorf“ (geschlossen seit 2009) oder zahlreiche Abschnitte hinter Zäunen sind ungenutzt und verfallen sichtbar. Das sorgt bei den Heide-Park-Fans, aber nicht nur bei ihnen, für Frust.

Auch die Kritik an steigenden Preisen und am Service nimmt zu. Besucher und Fanseiten bemängeln gestiegene Eintritts- und Parkgebühren sowie teilweise geschlossene Attraktionen oder einen gedrosselten Betrieb der Fahrgeschäfte trotz langer Warteschlangen.

Stark sinkende Besucherzahlen

Anfang der 1990er-Jahre kamen bis zu 2,25 Millionen Besucher in den Heide Park. Die Besucherzahlen gingen von 1.540.000 im Jahr 2019 auf 1.280.000 im Jahr 2025 zurück (Quelle: Heide Park World).

Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen der Besucherstatistik (Quelle: TEA Global Experience Index™) zählt der Heide Park seit 2024 nicht mehr zu den 20 meistbesuchten Freizeitparks in Europa. Nach dem Europa-Park, LEGOLAND Günzburg, Phantasialand, Karls Erlebnis-Dorf Elstal und dem Movie Park ist der Heide Park zusammen mit dem HANSA-PARK im Jahr 2025 nur noch auf Platz 6 der besucherstärksten Freizeitparks in Deutschland gelistet.

Die Unzufriedenheit mit Merlin Entertainments und dem Heide Park wird zunehmend auch von den Printmedien wahrgenommen. Wir sprechen also längst nicht mehr nur über die deutschen Influencer, YouTuber und Instagrammer, die ihre Meinungen und Einschätzungen öffentlich teilen. Die Kritik und der Ruf nach Veränderungen kommen mittlerweile in der breiten Öffentlichkeit an.

Der Merlin-Konzern und die Heide-Park-Verantwortlichen versuchen seit geraumer Zeit, diesem Trend mit gezielten Aktionen entgegenzuwirken. So gab es beispielsweise 2026 bei einer Hotelbuchung im Abenteuerhotel einen Abenteuer-Pass gratis dazu. Der gewünschte Erfolg hat sich bislang jedoch leider nicht eingestellt.

Die Unzufriedenheit und die weiter sinkenden Besucherzahlen fördern nicht gerade eine Trendwende. Da die Besucherzahlen für die gerade abgelaufene Saison noch nicht vorliegen, werden hier die Zahlen von 2025 zugrunde gelegt.

Trotz der aufgeführten Probleme ist der Park nicht insolvent. Dennoch befindet er sich in einer gehörigen wirtschaftlichen Schieflage. Merlin Entertainments hat in den beiden vergangenen Jahren über zehn „Midways“ wie SEA LIFE Berlin, Berlin Dungeon, Big City Berlin usw. ersatzlos geschlossen und damit den „Wert“ eines Merlin-Abenteuerpasses für den deutschen Markt deutlich unattraktiver gemacht.

Die Eigentümergruppe um KIRKBI investiert lieber in gut laufende LEGOLAND-Parks in aller Welt (u. a. ca. 180 Millionen Euro in eine Harry-Potter-Welt in Günzburg) und in das italienische Gardaland Resort. Einige englische Freizeitparks und der Heide Park bleiben bei Neuinvestitionen dagegen auf der Strecke.

Rundgang durch den Heide Park

Sind die Probleme im Heide Park vielleicht auch selbstgemacht?

In den vergangenen zehn Jahren verließen zahlreiche ausgewiesene Freizeitparkexperten, darunter Bastian Lampe, den Heide Park. Das Personalkarussell drehte sich mit hoher Geschwindigkeit und 20 festangestellte Mitarbeiter*innen mussten das Unternehmen verlassen.

Entscheidungen wie die Umgestaltung der Hängeloopingachterbahn „Limit“ zu „Toxic Garden“ und die „Dämonen Gruft“ erwiesen sich als Flop. Investitionen von über 11 Millionen Euro brachten aus meiner Sicht nicht den erhofften Erfolg.

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Foto: Andrej Woiczik | Attraktion: Colossos - Kampf der Giganten
Publikumsliebling Colossos war in den letzten Jahren nach seiner Wiedereröffnung der einzige große Lichtblick - allerdings ohne viele neue Besucher anzuziehen

Dafür wurden Projekte wie der Bau einer Wasserachterbahn und einer modernen Indoor-Themenfahrt im Piratenstil auf Eis gelegt. Weitere Fahrgeschäfte wurden zwischenzeitlich stillgelegt.

Die langjährige, traditionelle Piratenshow wurde eingestellt, was bei vielen Fans und Stammbesuchern für großen Unmut, Petitionen und Diskussionen sorgte. Medienberichte über einen weiteren Umbruch im Showbereich und den Wechsel hin zu externen Dienstleistern sorgten für zusätzliche Diskussionen.

Aus heutiger Sicht wurden von den Heide-Park-Verantwortlichen in den vergangenen zehn Jahren viele nicht zielführende Entscheidungen getroffen, die meiner Einschätzung nach zur heutigen wirtschaftlichen Schieflage beigetragen haben. Nicht ohne Grund hat deshalb ein erneuter Führungswechsel im Heide Park stattgefunden.

Verkauf des Heide Parks?

Obwohl in diversen Freizeitparkforen über mögliche Großbetreiber (wie die Mack-Familie vom Europa-Park) oder eine Herauslösung aus dem Merlin-Verbund spekuliert wird, gibt es hierfür weder Bestätigungen noch offizielle Namen potenzieller Käufer.

Der Park selbst beendete die Saison 2026 planmäßig mit einer positiven Bilanz (rund 6,3 Millionen Achterbahnfahrten - allerdings sind das natürlich ziemlich wenig aus) und blickt auf die Vorbereitungen für 2027 unter der neuen Führung von Jenny Blask. „Zu den Osterferien 2027 heißen wir Dich wieder im Heide Park Resort willkommen“, lautet der offizielle Slogan.

Zukunftsaussichten

Nun liegt es an der neuen Geschäftsführerin Jenny Blask, den Heide Park in eine bessere Zukunft zu führen.

Das Karls Erlebnis-Dorf Bispingen entsteht in der Lüneburger Heide am Gaußschen Bogen (nahe der A7) und soll voraussichtlich 2027 eröffnen. Auf 40.000 m² entsteht ein ernstzunehmender Mitbewerber um die Besuchergunst in der Heide-Region.

Das Gesamtvolumen beträgt rund 29,1 Millionen Euro, unterstützt durch einen Förderbescheid des Landes Niedersachsen über rund 675.750 Euro. Geplant sind bis zu 250 neue Arbeitsplätze bzw. rund 39 dauerhafte sozialversicherungspflichtige Stellen. Für die erste Saison rechnet die Eigentümerfamilie mit 350.000 Besuchern.

In den vergangenen Monaten gab es bereits Gespräche zwischen den Heide-Park-Verantwortlichen und Robert Dahl, um eine mögliche Zusammenarbeit in der Zukunft zu erörtern.

In den vergangenen 15 Jahren taten sich die zahlreichen Heide-Park-Geschäftsführer*innen schwer, Kooperationen mit den im Heidekreis ansässigen Freizeitparks einzugehen. So konnte auch keine „vernünftige“ Tourismuspolitik für die Region betrieben werden. Vielleicht ändert sich dies nun mit Jenny Blask?

Eine bessere Kooperation würde sicher auch dem Heide Park neue Besucherzielgruppen erschließen und in Zukunft zu höheren Besucherzahlen führen. Es bleibt spannend, wie sich der Heide Park unter neuer Führung entwickeln wird.

Quelle: Andrej Woiczik

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