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2019-03-28 20:12:42 - 932 Aufrufe

10 Jahre "Unterirdischer Zoo" im Zoo Osnabrück

Happy Birthday an Nacktmulle, Graumulle, Präriehunde & Co.! Ihr Zuhause im Zoo Osnabrück, der sogenannte „Unterirdische Zoo“, wurde am 25. März 2009 vor zehn Jahren eröffnet. Das wohl wichtigste Projekt in der Osnabrücker Zoogeschichte sorgte für einen Besucheransturm und ermöglichte damit auch den Bau weiterer, überirdischer Tierwelten.

Seit 10 Jahren krabbelt und flitzt es nun in dem täuschend echt gestalteten Stollenlabyrinth des deutschlandweit, wenn nicht sogar weltweit ersten „Unterirdischen Zoos“ im Zoo Osnabrück. Besucher, die sich unter die Erde trauen, können Nacktmulle, Coruros, Präriehunde, Ratten und andere Erdbewohner in ihren Tunnelsystemen beobachten. „Das Projekt war damals nicht unumstritten“, erinnert sich Zoopräsident Reinhard Sliwka bei der Geburtstagsfeier für die besondere Tierwelt. „Unser Zoogeschäftsführer Andreas Busemann hatte die besondere Idee und gemeinsam haben wir so manchen Kritiker überzeugt. Namenhafte Unterstützer wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Allianz Umweltstiftung oder die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung waren begeistert von dem Projekt und förderten es auch.“ Für den Zoogeschäftsführer war die Umsetzung des Projekts vor 10 Jahren eine Herzensangelegenheit. „Es brauchte viel Überzeugungsarbeit, bis das Bauprojekt starten konnte. Allerdings hat es sich umso mehr gelohnt: Bei Baukosten von 1,2 Millionen Euro konnten wir auf eine Förderkulisse von insgesamt 850.000 Euro dank der beteiligten Stiftungen zurückgreifen“, freut sich Geschäftsführer Andreas Busemann.

Großer Besucheransturm nach Eröffnung

Der „Unterirdische Zoo“ löste nach der Eröffnung einen Besucheransturm aus. Dafür sorgte auch eine professionelle Kommunikationsstrategie, die durch ein paralleles, ebenfalls von der DBU gefördertes Kommunikationsprojekt ermöglicht wurde. Der Zoo erhielt dadurch mit Lisa Josef eine Kommunikationsexpertin, die die Eröffnung des besonderen Bereichs in Sachen PR so erfolgreich begleitete, dass sie bis heute – inzwischen als Prokuristin – die Zoo-Entwicklung mit Geschäftsführer Busemann vorantreibt. In ganz Deutschland berichteten Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen über die neue Osnabrücker „Unterwelt“ – sogar im Londoner Guardian oder in der New York Times erschienen Berichte. Dank der vielen Besucher war wenige Wochen danach die vom Zoo investierte Summe von 350.000 Euro bereits eingespielt und am Ende des Jahres 2009 konnte der Zoo zusätzliche Einnahmen von 800.000 Euro durch die Eintrittserlöse verzeichnen. Die Besucherzahlen pendelten sich dank des besonderen Bereichs sowie der ein Jahr später eröffneten Afrika-Tierwelt „Takamanda“ auf knapp über eine Million Besucher jährlich ein, sodass der Umbau weiterer „überirdischer“ Tierwelten wie „Kajanaland“ oder „Angkor Wat“ möglich wurde.

„Indiana-Jones-Feeling“ im Zoo Osnabrück

Was begeisterte die Besucher so sehr? Ein täuschend echt gestaltetes Stollenlabyrinth, das in mühevoller Detailarbeit auf 500 Quadratmetern errichtet wurde, und ein besonderes Erlebnis ermöglicht. Nachdem in Hanglage ein Gebäude ähnlich einer Tiefgarage errichtet wurde, entstanden darin mithilfe von Bandstahl, Ziegeldraht und Zementmörtel Gänge und Höhlen. Gestalter Detlef Gehrs verwandelte den Bau in eine richtige Filmkulisse: An den Wänden wurden mithilfe von 30 verschiedenen Farbnuancen verschiedene Bodentypen entsprechend der Herkunftsländer der Tiere nachgebildet, Wurzeln ragen aus der Decke, Grubenlampen hängen an den Wänden oder Stützbalken „sichern“ den Gang ab. Geschäftsführer Busemann legte Wert darauf, dass ein richtiges „Indiana Jones“-Gefühl entsteht, wenn der Besucher auf die unterirdische Entdeckungsreise geht. „Gestalter Detlef Gehrs inszenierte großartige Kulissen, wie auch einen Abwasserkanal aus dem Mittelalter für die Ratten, der hier in Osnabrück ausgegraben wurde – so taucht der Besucher richtig in diese besondere Welt ab. Die unterirdischen Gänge zweigen auch immer wieder ab, sodass so mancher Besucher schon die Orientierung verlor“, schmunzelt der Geschäftsführer. Die Stars des „Unterirdischen Zoos“, die Tiere, können die Höhlenforscher in ihren Gängen beobachten. „Dabei ist es uns gelungen, die Röhren und Nester in den Wänden so zu konstruieren, dass es für den Besucher so aussieht, als könne er in einen Querschnitt des Lebensraums Boden schauen und er zu Gast bei den Tieren ist“, schwärmt Busemann. Die Besucher sehen die Nacktmulle oder Coruros durch ihre Gänge laufen, wie sie in ihren Nestern kuscheln oder Möhren und Äpfel aus der Futterkammer holen.

Foto: Zoo Osnabrck

Empathie für Bodenbewohner wecken

Dr. E.h. Fritz Brickwedde, damals Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, war sofort überzeugt von dem innovativen Vorhaben: „Hier können wir zwei großartige Ansätze verfolgen: Wir können Zoobesuchern den Lebensraum Boden vorstellen und Empathie für die kleinen Tiere wecken. Da immer mehr Land bebaut wird, verlieren diese Tiere ihren Lebensraum. Darüber hinaus konnten wir erstmals eine räumliche und thematische Verbindung zwischen einem Museum und einem Zoo schaffen.“ Denn neben dem Zoo Osnabrück liegt das Naturkundemuseum am Schölerberg und hier befindet sich die Ausstellung „unter.Welten – das Universum unter unseren Füßen“. Mit einer direkten unterirdischen Verbindung zwischen dem „Unterirdischen Zoo“ und dem Museum konnten die Zoobesucher so an die Museumswelt herangeführt werden und Museumsbesucher konnten zusätzlich die lebendige Tierwelt unter der Erde kennenlernen. „Als Generalsekretär der DBU waren mir Zoos immer sehr wichtig, um Umweltthemen mit Hilfe der Tiere in einem entspannten Freizeitkontext an die Menschen heranzutragen. Tiere sind Sympathieträger und wecken Empathie bei uns Menschen. Wenn wir sehen, dass wir mit unserem Verhalten auch Tieren schaden, steigt die Chance, dass wir unser Verhalten erneut überdenken und vielleicht sogar auch ändern.“ Damit die passenden Informationen an die Besucher gelangen, entwarf ein Team des Museums Wissensstationen für kleine und große Besucher, wie Computerstationen, Hörstationen oder das 3-Seiten-Kino, in dem zum Beispiel Maulwürfe sich von links nach rechts über drei Leinwände graben. Zusätzlich erläutern regelmäßig Zoopädagogen das Leben unter der Erde und zeigen den Besuchern die kleinen Bewohner, die manchmal gar nicht so einfach zu entdecken sind.

„Hades“ des Zoo Osnabrück

Der „Herr über die Unterwelt“ ist Revierleiter und Tierpfleger Oliver Schüler. „Ich war seit klar war, dass der ‚Unterirdische Zoo‘ gebaut wird, involviert. Ich wurde von meiner damaligen Arbeit als Tierpfleger bei den Elefanten freigestellt und konnte mich gemeinsam mit unserem damaligen Zoodirektor Dr. Wolf Everts voll und ganz der neuen Tierwelt widmen“, berichtet Schüler. Um die neuen Anlagen genau den Bedürfnissen der zukünftigen Zoobewohner anzupassen, besuchte er verschiedene Zoos, die Nacktmull und Co. bereits halten. Auf dieser Wissensgrundlage entwickelte er das ganz eigene Konzept der Tierhaltung im „Unterirdischen Zoo“. „Die Herausforderung war, die Illusion für den Besucher aufrechtzuerhalten, die Tiere in ihrer Bodenwelt zu besuchen und dabei aber auch das Tierwohl zu berücksichtigen sowie die Tatsache, dass wir Tierpfleger alle Bereiche auch sauber machen müssen. Ich habe dann eine Art Schubladensysteme mit zusätzlichem Steckrohrsystem hinter den Kulissen entwickelt“, so Schüler. „Die Bereiche des Rohrsystems, die für den Besucher einsehbar sind, haben wir noch zusätzlich so verkleidet und bemalt, dass sie wie ein unterirdischer Bodengang aussehen.“ Damit ist die Illusion perfekt gelungen.

Foto: Zoo Osnabrck
Im mittelalterlichen Abwasserkanal des „Unterirdischen Zoos“ überreichten sie den Ratten eine Geburtstagstorte zum 10. Geburtstag der besonderen Tierwelt: Andreas Wulftange (wissenschaftlicher Kurator), Oliver Schüler (Tierpfleger und Revierleiter „Unterirdischer Zoo“; im Rattengehege), Zoopräsident

Von Maulwürfen zu Fledermäusen

Während der letzten zehn Jahre hat sich die Tierwelt im „Unterirdischen Zoo“ immer mal wieder verändert. „Anfangs lebten noch Maulwürfe und Feldhamster im Stollenlabyrinth. Leider ist die Haltung von Maulwürfen sehr schwierig aufgrund der besonderen Nahrung und Luftzusammensetzung in den unterirdischen Gängen. Trotz viel Aufwand konnten wir das nicht ideal nachbilden. Bei den Feldhamstern stellte sich trotz vieler Verpaarungsversuche und Anpassungen in der Haltung kein Nachwuchs ein, sodass wir beide Tierarten nicht mehr bei uns haben.“ Dafür sind Farbmäuse, Rennmäuse, Igeltanreks und Spitzmaus-Langzüngler-Fledermäuse eingezogen. Für die Fledermäuse baute das Zoo-Team 2017 mit Hilfe der Volksbank Osnabrück einen Bereich um, in dem vorher teilweise interaktive Ausstellungselemente zur Wissensvermittlung untergebracht waren. „Da die Besucher den Bereich nicht viel nutzten, sondern lieber Tiere beobachten wollten, haben wir uns dazu entschlossen ihnen eine weitere Tierart zu zeigen. Wir haben in dem Raum eine unterirdische Höhle nachgebildet und jetzt leben 49 Fledermäuse hier.“ Absoluter Star im „Unterirdischen Zoo“ bleibt jedoch der Nacktmull. An dem besonderen Tier, das ganz nackt und schrumpelig durch die Gänge huscht, scheiden sich die Geister. Während die einen ihn eher „ekelig“ finden, finden die anderen ihn „cool“ – auf jeden Fall ist es ein ganz besonderes Tier: Nacktmulle erreichen für so kleine Tiere ein Methusalem-Alter von bis zu 30 Jahren, haben kein Schmerzempfinden und entwickeln keine Krebserkrankungen. Neben den 52 Nacktmullen leben noch ein Hummelvolk, ein Igeltanrek, 49 Fledermäuse, fünf Riesengraumulle, 50 Ratten, zehn Coruros, 20 Farbmäuse, fünf Rennmäuse und 17 Präriehunde in den unterirdischen Gängen. Letztere haben als einzige auch ein überirdisches Gehege. Weitere Veränderungen sind im „Unterirdischen Zoo“ derzeit nicht geplant. Wer die Bodenbewohner kennenlernen möchte, kann dies täglich zwischen 8 Uhr und 17 Uhr (Sommeröffnungszeiten).

Quelle: PM Zoo Osnabrück

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