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Rentierführer-Schein im Tierpark Sababurg: Ein Erfahrungsbericht

Ein besonderer Geheimtipp ist das Lapplandlager der Firma RENRAJD vualka Lappland exhibit im Tierpark an der Sababurg. Betreiber Uwe Kunze und seine Frau Brigitte haben dort vom Landkreis Kassel ein Areal bekommen, auf dem sie ihr Lapplandlager aufgebaut haben und wo die Rentierherde (im Moment 9 Tiere) lebt und trainiert wird. Neben anderen Veranstaltungen wird dort vom Herbst bis in den Winter ein Rentierführer-Schein angeboten. Der Zeitraum liegt darin begründet, dass es im Frühjahr Jungtiere gibt und im Sommer ist es den an deutliche Minusgrade gewöhnten Rentieren zu warm.

Von Nicole Schneider • 23. Oktober 2026

Nun klingt Rentierführer-Schein erstmal etwas ungewöhnlich, schließlich geht es nicht darum, wie der Weihnachtmann einen Rentierschlitten zu lenken. Dennoch ist diese Veranstaltung sehr spannend und umfassend und in 3,5 Stunden kann man schon einiges lernen.

Zunächst haben wir uns an der Elchtierlodge mit dem Trainer der Rentiere getroffen. Wir, das war an diesem Tag eine Gruppe von 10 erwartungsvollen Menschen unterschiedlichen Alters. Unterwegs dorthin konnten wir schon einen Blick auf unsere „Trainingsobjekte“ werfen.

Nach einer kurzen Einführung, dem Hinweis, die Tiere zunächst zu ignorieren, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich an unsere Gerüche zu gewöhnen und sie auf keinen Fall ans Geweih zu fassen, ging es dann auf die Weide und nach kurzem Aufenthalt dort gemeinsam mit den Tieren in das Lapplandlager. Dort war alles Mögliche aufgebaut, aber das sollten wir später noch genauer kennenlernen.

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Foto: Nico13

Einblicke in das Leben der Sami

Wir haben uns dann erstmal in der deutschen Version eines Goathis, einer typischen Behausung der Sami versammelt und uns dort um die Feuerstelle versammelt. Sami ist die politisch korrekte Version der früheren Bezeichnung „Lappen“. Um die Hütte herum hörten wir das Läuten der Glocken, die die Rentiere trugen, die mit uns arbeiten sollten. Nun erfuhren wir jede Menge über die Sami, ihre Rentierherden, ihre Lebensweise und auch über die Hintergründe des Trainerpaares, das lange Zeit im Gebiet der Sami gelebt hat und dessen Sohn auch heute noch dort lebt. Jedes Jahr verbringen sie einige Zeit dort und folgen mit ihren abgerichteten Rentieren den riesigen Rentierherden über hunderte Kilometer durch Eis und Kälte über Distanzen, die für uns einer weiten Urlaubsreise gleichkommen.

Mit den Rentieren durch den Tierpark Sababurg

Danach ging es an die Praxis. An einem Modell lernten wir, wie man ein Rentier führt, nämlich an einem Seil, mit beiden Händen gut festgehalten, das Seil immer leicht durchhängend, so dass der Kopf Bewegungsfreiheit hat, das Tier möglichst hinter, bestenfalls neben einem. Das alles hat Gründe, die sich durch das Leben in Sapmi (ehemals Lappland) begründen lassen. Ließe man das Rentier vorlaufen, so würde es der Herde freilebender Rentiere hinterherlaufen und unter Umständen mit dem kleinen Pulka (einbaumähnlicher Schlitten) auf und davon sein. Einige Tiere sollten von zwei Personen geführt werden, einer rechts, einer links, damit man bei Bedarf durch die Seile den Kopf steuern konnte, um nicht Bekanntschaft mit dem Geweih zu machen. Und spätestens, wenn man den Bullen Loki gesehen hatte, ahnte man, dass man lieber Respekt haben sollte. Zudem hatten wir schon zu Beginn eine Kostprobe bekommen, dass die Rentiere nicht nur untereinander, sondern auch mit menschlichen Gästen teilweise auch mal etwas ruppig umgehen. Es war also Konzentration gefragt.

Dann wurden die Rentiere verteilt und die Marschreihenfolge festgelegt. Ich hatte den nur wenige Monate alten Lasse bekommen und war damit an zweiter Stelle in der „Karawane“ hinter seiner Mama Laale mit ihren beiden Führerinnen. Am Schluss trabte Loki mit zwei starken Männern, auf den wir hin und wieder mal warten mussten. Begleitet wurde das ganze vom Läuten der Glocken, die die Rentiere trugen, damit man sie im Zweifel wiederfinden würde. – Also doch ein bisschen Weihnachtsmannschlittenfeeling.

Rentierführer-Schein im Tierpark Sababurg

Unterwegs war darauf zu achten, dass keine ungestümen Kinder die Rentiere einfach anfassten, dass die Tiere am Wolfsgehege und wenn Leute oder Hunde von hinten kamen, nicht nervös wurden und dass zwei Rentierschwestern, die sich nicht grün waren, sich nicht zu nahe kamen. Die Trainer Uwe und Brigitte gingen dabei am Anfang und Ende der Karawane und hatten stets alles im Griff und standen mit Rat und Tat zur Seite, wenn etwas nicht klappte. So zogen wir eine große gemütliche Runde durch den Tierpark, denn Rentiere haben es in der Regel nicht eilig. Unterwegs gab es einen Fotostopp, an dem Uwe uns mit unseren Smartphones fotografierte, schließlich brauchten wir beide Hände für unser Rentier. Dann gab es noch einen kleinen Stopp an der großen Birke, wo „unsere“ Rentiere uns dahin führten, wo sie etwas Leckeres zu fressen fanden, dann ging es zurück ins Lager.

Fütterung der Rentiere und Übergabe des Rentierführer-Scheins

Im Lager wurden die Rentiere von ihren Seilen befreit und wir bekamen Getränke und Kekse zur Stärkung. Dann kam schon das nächste Highlight, ein Aufenthalt im Lavvu, dem typischen Zelt, in dem die Sami auf ihren Reisen übernachten. Auf Reisig und Rentierfellen saßen wir rund um das Feuer und hörten gespannt zu, welche Regeln in so einem Zelt gelten, wie sich die Sami unterwegs ernähren und welche Herausforderungen es auf der Reise zu meistern gilt.

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Foto: Nico13
Vor der Praxis folgt wie immer erstmal die Theorie - Ganz stilecht in einem Goathi

Inzwischen hatte Brigitte für jeden von uns einen Eimer mit Flechten vorbereitet und wir sollten uns dann mit unseren Eimern in einem Wäldchen verteilen. Ich fragte mich erst, wozu der Abstand wichtig sein sollte, wurde aber sofort belehrt, als auf Kommando die komplette Rentierherde auf uns zu gerannt kam und jedes Tier sich über einen Eimer hermachte. Zu mir war direkt wieder der kleine Lasse gekommen und ließ sich die Flechten schmecken.

Dann hieß es, Abschied nehmen von den Rentieren. Es folgte nun die feierliche Übergabe des Rentierführer-Scheins. Damit waren die wundervollen dreieinhalb Stunden leider schon vorbei.

Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr begeistert hat, die Erzählungen über die Sami, dieses Volk, das so ganz ursprünglich und einfach lebt in einer riesigen Weite oder der Kontakt mit den Rentieren. Insgesamt war es einfach ein tolles Gesamtpaket zu einem wirklich fairen Preis mit sehr kompetenten, erfahrenen und supernetten Trainern. Eine absolute Empfehlung von mir für jeden, der sowas mag.