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2019-04-12 21:30:42 - 711 Aufrufe

Rummel im Plänterwald und die derzeitige Realität

Von Andrej Woiczik

Im August 2018 erschien das Buch „„Rummel im Plänterwald“ vom Büchner-Verlag auf dem deutschen Büchermarkt, welches wir bereits ausführlich besprochen haben. In der Zwischenzeit seit der Erscheinung des Buches liegt das ehemalige Spreepark-Areal weiterhin brach und kostet den Berliner Steuerzahler jährlich 5 Millionen Euro.

„Mann oh mann“ es ist nun auch schon fast wieder ein Jahr her als am 25. Mai 2018 Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, sowie Christoph Schmidt von Grün Berlin ihr Konzept „Neustart Spreepark“ den fast 400 Zuhörern ihr neues Konzept vorgestellt haben. Hier einige Auszüge vom damaligen Termin:

Wie werden die Besucher zu dem Gelände gelangen?
„Der neue Spreepark wird mit zahlreichen spannenden Angeboten ein attraktives Ziel für alle werden“, verspricht die parteilose, von den Grünen nominierte Senatorin. „Ob Berlinerinnen und Berliner oder Gäste aus aller Welt – wer neugierig auf Natur, Kunst und Kultur an einem besonderen Platz ist, der ist im Spreepark genau richtig. Wir zeigen nun die Entwicklungsmöglichkeiten für die weitere Gestaltung dieses geschichtsträchtigen Ortes.“

Spreepark als Arbeitsort für Künstler
Klar ist bereits, dass der einstige Rummelplatz nicht wieder entstehen soll. Geplant sei stattdessen ein „Ort für künstlerisches Schaffen, der einlädt, dabei zu sein und mitzumachen“, sagte Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt. „Kunstinstallationen und Ausstellungen könnten in den Gebäuden und auf den Freiflächen stattfinden, ehemalige Fahrgeschäfte wie die Wildwasserbahn für Performances, Installationen, Theateraufführungen genutzt werden.“ Zum einen soll der Spreepark als Arbeitsort für Künstler etabliert, zum anderen für Familien geöffnet werden, sagte Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). Geld stünde bereit: 23 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds. „Das finde ich toll!“, lobte Igel.

Foto: Andrej Woiczik

Parkbahn und Fähre zum Bahnhof
In Plänen, die Mitte Februar 2018 fertiggestellt wurden, sind erste Ideen fixiert worden. Sie sind eine Mischung aus Kunst, Amüsement und Erholung. So soll eine einstige Lagerhalle zu einem Werkstattgebäude mit vier Ateliers umgebaut, das frühere Freilufttheater mit 200 Sitzplätzen wieder als Spielstätte genutzt werden. Die große Halle im Südzipfel ließe sich zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude umgestalten – mit 2500 Steh- oder 1500 Sitzplätzen. Auch das Trafogebäude, nicht weit entfernt, soll für Veranstaltungen genutzt werden. Das Eierhäuschen, das alte Ausflugslokal von 1892, wird bereits umgestaltet, für Gastronomie, Büros sowie Arbeits- und Schlafräume für Künstler (fertig 2021). Nebenan ist ein Haupteingang geplant. Das frühere 360-Grad-Rundkino eigne sich für Kultur und Kunst, heißt es weiter. Nebenan soll der zweite, nordwestliche Haupteingang entstehen, für den ebenfalls ein Service- und Toilettengebäude gebaut wird, außerdem E-Bike-Ladestationen und 320 Fahrrad-Stellplätze. Ein weiteres Neubauvorhaben ist im Süden geplant: ein Biergarten mit Kiosk und 250 Plätzen.

25 Prozent der Besucher werden mit dem Auto erwartet
Trassen der Achterbahn und der Grand-Canyon-Bahn sollen zu begehbaren Wegen ausgebaut werden. Für das Riesenrad vermerkt das Nutzungskonzept dagegen: „Wiedernutzung als Fahrgeschäft“. Die Parkeisenbahn soll reaktiviert und später sogar erweitert werden. Das Verkehrskonzept der Gesellschaft VMZ schlägt vor, die Strecke (Spurweite: 600 Millimeter) zum Rathaus Treptow und entlang der Puschkin Allee zum S-Bahnhof Treptower Park zu führen. Denkbar wäre auch eine Fährlinie dorthin, mit zwei Stopps am Spreepark und einem neuen Anleger am Funkhaus Nalepastraße.

Das Konzept für die äußere Erschließung enthält auch Diskussionsstoff. So sollen an der Kiehnwerderallee Parkplätze entstehen, zunächst ist von 100 die Rede. Allerdings erwarten die Planer, dass der neue Spreepark immer mehr Besucher anziehen wird – anfangs könnte es pro Jahr 350.000 sein, später bis zu 600.000. Dann wären bis zu 270 Stellplätze nötig und eine Aufstockung in Form eines Parkdecks.

Erwartet wird, dass 25 Prozent der Besucher im Auto kommen. Darum soll der Dammweg verbreitert werden. Derzeit ist er im Plänterwald auf 4,50 Meter Breite befestigt, Geh- und Radwege gibt es nicht. Varianten im Verkehrskonzept sehen vor, die Fahrbahn auf 5,50 Meter zu erweitern oder eine acht Meter breite Fläche zu schaffen, die Autos und Fußgängern gemeinsam nutzen können.

„Attraktive Angebote“ sollen die Besucher dazu bringen, nicht mit dem Auto zu kommen, heißt es in dem Verkehrskonzept. Linienbusse sollen jedoch weiterhin nicht direkt zum Park fahren, selbstfahrende Elektrobusse könnten Fahrgäste an der Bulgarischen Straße abholen. S-Bahn-Nutzer müssen wie bisher 700 oder 1700 Meter laufen. Noch ungeklärt ist, wie der Verkehr bewältigt werden kann, wenn tausende Menschen zu Veranstaltungen anreisen.

Doch es gibt Kritik. Der Plänterwald sei Landschaftsschutzgebiet, sagt eine Gartenpächterin in der benachbarten Kolonie Rathaus: „Ich halte es für ein Unding, wenn dort ausgerechnet unter einem rot-rot-grünen Senat Parkplätze entstehen und eine Straße verbreitert wird.“ Heute spielen auf dem Dammweg Kinder, es ist ruhig – für die Zukunft erwartet die Anliegerin Verkehr, Lärm, Abgase. Auch an der Grünen-Basis grummelt es. „Ich nehme die Bebauungspläne im Plänterwald mit Erstaunen zur Kenntnis“, sagte Matthias Dittmer von der Landesarbeitsgemeinschaft Mobilität.

Anfang Februar 2019, es regnet an diesem Samstag um 8.00 Uhr bei der morgendlichen Laufeinheit unseres Redakteurs. Bei der Laufrunde um das ehemalige Spreepark-Areal wollen einige Bauschilder die Interessierten von einem Baubeginn 2017 überzeugen, aber beim nächsten Frühjahrssturm werden diese maroden Bauschilder sicher weggeweht worden sein. Die Baugerüste am Eierhäuschen haben auch schon seit über einem Jahr keinen Bauarbeiter mehr gesehen. Einige Läufer kommen mir entgegen, dennoch eine gespenstische Kulisse bietet der Blick über ein Areal, wo einst 1,7 Millionen Besucher im Jahr ihren Spaß hatten und wo Fahrgeschäfte ihre Runden drehten, welche noch heute im Europa-Park in Rust über 5 Millionen Besucher erfreuen. Um welche Fahrgeschäfte es sich handelt und wie sie von Berlin nach Rust gekommen sind, erfährt man im sehr lesenswerten Buch „Rummel im Plänterwald“ vom Büchner-Verlag.

8. April 2022 - morgen soll der BER eröffnen und in Berlin Treptow findet die nächste Gesprächsrunde zum Thema „Neustart Spreepark“ mit der regierenden Bürgermeisterin Lompscher statt. Auf dieser Gesprächsrunde soll nunmehr den Bewohnern mitgeteilt werden, dass das ehemalige Spreepark-Areal mit 1500 Eigentumswohnung bebaut werden soll, da ja weiterhin in Berliner Wohnungsknappheit besteht. Wundern würde es uns nicht!

Quelle: Andrej Woiczik