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2016-03-02 09:18:54

Spreepark 2.0

Redakteur Andrej Woiczik im Gespräch mit Grün Berlin GmbH Geschäftsführer Christoph Schmidt über Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten für das alte Spreepark-Gelände

Der ehemalige VEB Kulturpark Plänterwald war eine der wichtigsten Freizeitattraktionen der DDR, mit dem sich für viele bis heute persönliche Erinnerungen verbinden. Der Spreepark wurde 1969 als "Kulturpark Plänterwald" in direkter Nähe zur Spree eröffnet und bis zu 1,7 Millionen DDR-Bürger besuchten ihn jährlich. Er war der einzige Vergnügungspark der DDR und nach der Wende auch der einzige ständig geöffnete Gesamt-Berlins. Nach einer wechselvollen Geschichte, mit bis zum Teil jährlich 1,5 Millionen Besuchern, wurde der Spreepark 2001 geschlossen. 2002 wurde das Gelände eingezäunt und fiel in einen "Dornröschenschlaf". Bis zum Kauf durch das Land Berlin im Jahr 2014 verwahrlosten das Gelände und die darauf befindlichen Gebäude und verbliebenen Fahrgeschäfte. Es gab zwar viele Investoren, wie Plopsa/Studio 100, Merlin Entertainment, Grévin & Cie, Tivoli Kopenhagen, Mack Rides (Mack-Familie) und einige dubiose Geschäftsleute, welche aus diesem traditionellen Areal, einen Freizeitpark internationaler Prägung schaffen wollten, doch auf Grund der zu hohen Auflagen (u.a. nur jährliches Besucheraufkommen von 250.000-300.000, 10 Millionen Investition für den Bau eines Parkhauses) vom Land Berlin sprangen alle möglichen Investoren vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag ab. Der Spreepark blieb sich selbst überlassen, die Natur eroberte viele Flächen zurück, "wertvolle" Ökosysteme entstanden. Anfang Januar 2016 übernahm die Grün Berlin GmbH, unter Federführung von Geschäftsführer Christoph Schmidt, das ca. 30 Hektar große Spreeparkareal vom Liegenschaftsfonds Berlin.

Freizeitpark-Welt Redakteur Andrej Woiczik war für ein Interview, zu Gast bei Geschäftsführer Christoph Schmidt, in den Geschäftsräumen von der Grün Berlin GmbH auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof und brachte nachfolgende Eindrücke in die Redaktion zurück.

Aufgabe der Grün Berlin ist es, ein hochwertiges und kulturaffines Nutzungs- und Betriebskonzept mit touristischer Strahlkraft zu entwickeln und zu realisieren, das dem empfindlichen Teilraum angemessenen ist und das so genannte "Eierha?uschen" als bedeutenden Anziehungspunkt fu?r Erholungssuchende zu reaktivieren. Vorstellbar sind Themen aus den Bereichen Kunst und Kultur unter Einbeziehung der Kreativszene. Dabei gilt es unter Beibehaltung des besonderen Charmes des Ortes neue Formate zu definieren und in den Park einzufügen.

Foto: Andrej Woiczik

Haben bestehende Fahrgeschäfte eine Zukunft?

Ein wesentliches Anliegen ist die Inszenierung der historischen Relikte des ehemaligen Vergnügungsparks und die Wiederherstellung des 40 Meter hohen Riesenrades. Die besondere Lage an der Spree ermöglicht es, das Areal zukünftig auch an den Wassertourismus und die Ausflugsschifffahrt anzubinden. Auf dem ehemaligen Spreepark-Areal, welches als Sondernutzungsfläche ausgewiesen ist, kann sich Geschäftsführer Christoph Schmidt aber auch vorstellen, dass neben dem Riesenrad der niederländischen Firma VEKOMA, auch zwei weitere ehemalige, hochwertige Fahrgeschäfte die Besucher begeistern könnten. Nach derzeitigem Sachstand würden dafür die ehemals höchste Wildwasserbahn in Europa namens "Grand Canyon" der deutschen Firma Mack Rides und der Powered Coaster "Spreeblitz" des bereits genannten Herstellers in Frage kommen.Ganz aktuell wird ein Gutachten erstellt, welches die Machbarkeit dieser Gedanken prüft. Auf Grund des fortgeschrittenen Verfalls der beiden Anlagen muss aber damit gerechnet werden, dass außer dem Grundgerippe der Wasserbahn, alles weitere komplett neu gestaltet werden müsste. Gleiches gilt natürlich auch für den ehemals beliebten "Spreeblitz". Im Gutachten wird auch aufgeführt werden müssen, wie diese drei Fahrgeschäfts-Investitionen finanziert und betrieben werden sollen. Im Gespräch mit Geschäftsführer Christoph Schmidt wurde aber deutlich gemacht, dass es keine Kirmes Attraktionen- und Stände auf dem neu gestalteten Spreepark-Areal geben wird.

Zunächst wird erst einmal die Verkehrssicherheit für das Gelände hergestellt, bevor der Spreepark wieder besucht werden kann. Die vielen Gefahrenstellen, maroden Gebäude, viele Fahrgeschäfte und Stolperstellen müssen beseitigt und Altlasten abgefahren werden. Erst dann können wieder Führungen über das Gelände angeboten werden. Zeitgleich wird ein Team aufgebaut, das interdisziplinär eingesetzt wird, um das Areal zu entwickeln. Es geht im Spreepark nicht nur um architektonische Aufgabenstellungen, so Geschäftsführer Christoph Schmidt, sondern auch darum, dass das Projekt aus mehreren Blickwinkeln weiterentwickelt werden muss. Daher will man ein Planerteam etablieren, welches aus Architekten, Tourismusexperten und Kulturmanagern besteht. Zu bestimmten Themen werden wir auch weitere Experten hinzuziehen, so der erfahrene Projektmanager. Für die Zielanalyse ist dieser Schritt sehr wichtig, um das Masterplankonzept zu entwickeln und Ende des Jahres 2016 zu verabschieden.

Der Spreepark ist ein höchst interessantes Projekt, welches in dieser Form nicht so häufig in Deutschland vorzufinden ist, so der Geschäftsführer. Ein neuer Parktypus wird entstehen, der aus meiner Sicht auch nationale und vielleicht auch internationale Relevanz haben könnte und da fängt es an spannend zu werden.

Einige Naturverbände und Bürgerinitiativen würden sich sehr freuen, wenn das gesamte Areal renaturiert werden würde, einige Kultureinrichtungen möchten kostenlose Flächen im Spreepark für ihre kulturellen Aktivitäten bekommen und Andere wünschen sich wieder einen reinen Freizeitpark mit vielen Fahrgeschäften.

Foto: Andrej Woiczik
Das Riesenrad gilt als Wahrzeichen und soll erhalten bleiben

Freizeitpark-Welt Redakteur Andrej Woiczik war sehr positiv überrascht, dass aus dem ehemaligen Freizeitpark mit vielen Fahrgeschäften, nicht nur ein reiner Kulturpark werden soll, sondern ein Park, in dem sich die gesamte Familie wohl fühlt. Womöglich auch mit ein paar interessanten Fahrgeschäften.

Die Grün Berlin GmbH ist eine gemeinnützige privatrechtlich organisierte GmbH und besteht in dieser Firmierung seit 1996. Alleiniger Gesellschafter des Unternehmens ist das Land Berlin. Im Zentrum des Leistungsprofils der Grün Berlin GmbH stehen die Aufgaben der Projektentwicklung, des Baumanagements, des Park- und Betriebsmanagements, der Öffentlichkeitsarbeit und des Marketings. Die Grün Berlin GmbH hat bisher mehr als 100 Projekte in der Hauptstadt realisiert und bewirtschaftet derzeit über 700 Hektar öffentliche Freiräume und Parkanlagen, darüber hinaus mehr als 100 Gebäude. Millionen Besucher jährlich verbringen in den Parkanlagen von der Grün Berlin GmbH bislang ihre Freizeit und aus der Sicht von Freizeitpark-Welt Redakteur Andrej Woiczik und aus den Erkenntnissen aus dem Gespräch mit Geschäftsführer Christoph Schmidt, ist dieses höchst interessantes Spreepark Projekt 2.0 bei der Grün Berlin GmbH in guten Händen.

Quelle: Andrej Woiczik