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2020-08-05 19:43:38 - 992 Aufrufe

Ein Kurzurlaub im Europa-Park zu Corona-Zeiten

Von Andrej Woiczik

Ende Juli waren wir für einige Tage im Europa-Park zu Gast und haben einen Blick auf die Corona-Maßnahmen im größten Freizeitpark Deutschlands geowrfen.

Die Temperaturen kletterten an den Besuchstagen fast an die 40 Grad Marke, fast immer strahlte die Sonne mit den rund täglichen 15.000 Besuchern (oder mehr?) um die Wette. Endlich wieder einen der besten Freizeitparks der Welt in Corona Zeiten besuchen zu dürfen, ließ zehntausende leuchtende Augen strahlen. Während wir uns hier mit der Wiedereröffnung der „Piraten in Batavia“ beschäftigen, geht es in diesem Artikel um das restliche Geschehen und die Corona-Maßnahmen im Europa-Park. Während Björn mit dem Auto nach Rust anreiste und im Hotel Bell Rock logierte, nutzte Andrej den ICE von Berlin nach Offenburg und gelangte von da dann 90 Minuten später im Europa Park nahe gelegenen Hotel Casa Rustica an. Leider ist die Anreise mit der Bahn nach Rust ab Freiburg bzw. Offenburg sehr umständlich oder teuer. Entweder für einen Festpreis von 95 Euro mit dem Taxi von einem der beiden ICE Bahnhöfen oder umständlicher aber die Hälfte günstiger mit der Regionalbahn und dem oft unzuverlässigen EP Bus vom Bahnhof Ringsheim anreisen.

Als Übernachtungsgast in Rust erhält man über die Touristenkarte ein Tagesticket für 55 Euro am Europa-Park Kundenserviceschalter. Da die Europa-Park Clubkarten aufgrund der Corona Krise weiterhin nicht verlängert werden, war dieser Weg erforderlich, um aus Rust berichten zu können. Zwei Tage nach der Wiedereröffnung „der Piratenfahrt“ ist der Europa-Park zwar gut besucht, aber nicht so voll wie an den darauffolgenden zwei Tagen.

Top-Service: VirtualLine

Natürlich, wie seit Jahren, führt der erste Weg am frühen Morgen als erstes ins Geisterschloss im italienischen Themenbereich. Dort wurden seit unserem letzten Besuch Ende Dezember 2019 erneut zahlreiche neue Animatronics zum Leben erweckt. Es ist schon unglaublich wie leidenschaftlich diese „uralte Attraktion“ fast jährlich mit Um- und Neugestaltungen liebevoll den „Gruselfans“ schmackhaft gemacht wird. Dank der „VirtualLine“ konnten wir als Europa Park App Nutzer kostenlos im Laufe des Tags jeweils eine von sechs Attraktionen (Euro Mir, Blue Fire, Wodan, Arthur, Eurosat Can Coaster und Piraten in Batavia) ohne „körperliches Anstehen“ nutzen und machten davon reichlich Gebrauch. Zwar gibt es hier und da noch kleinere technische Probleme, aber alles in allem ist der Service ein echter Mehrwert, der unserer Meinung nach auch nach der Corona-Zeit gerne beibehalten werden kann.

Foto: Björn
Die neuen Fassaden im holländischen Themenbereich

Distance Radar mit fadem Beigeschmack

Der weitere neue Service vom Europa-Park namens „Distance Radar“ war bei unserem Besuch ein zweiseitiges Schwert. Dieser soll auf spielerische Art und Weise, Abstände während des Parkbesuchs einzuhalten helfen. Bei ausreichendem Abstand erhält man mehrmals die Chance auf den Gewinn eines VIP-Passes für VirtualLine Attraktionen. Wenn man in der Realität dann aber Silver Star, Arthur und Co. fuhr und die Vielzahl der Fahrgeschäfte in einem der weltbesten Freizeitparks der Welt nutzen wollte, zeigte der „Distance Radar“ ständig an, dass der erforderliche Abstand zu „familienfremden Personen“ nicht eingehalten wird und schnell fuhr der Radarzeiger in den roten Bereich. Während im ausreichenden Maße durch Mitarbeiter im Ruster Freizeitpark und Lautsprecheransagen auf die Nutzung des Mund- und Nasenschutzes und den erforderlichen Abstand von mindestens 1,50 Meter hingewiesen worden ist, so gegenteilig waren die „Auffüllungen der Fahrgeschäfte“ durch Europa Park Mitarbeiter im tatsächlichen Tagesbetrieb. Zwei Personen aus einem Hausstand wurden bei Silver Star zu zwei anderen Personen aus anderen Haushalten in eine Reihe nebeneinander dazu gesetzt. Das gleiche wiederholte sich des Weiteren bei Arthur, Snorri Touren, Fjord Rafting und Atlantica SuperSplash. Dieses alles konterkarierte den erhofften Effekt diese ansonsten schönen, neuen Hilfsmittel.

Aufgrund der weiterhin noch grassierenden, weltweiten Corona Pandemie war der ansonsten erstklassige Service im Europa-Park nicht möglich. Dennoch war man bemüht zahlreiche Restaurants für die tausenden täglichen Besucher zu öffnen, das Serviceangebot in den Shops aufrecht zu erhalten und den Besuchern einen tollen Tag zu bieten. Erfreulich war natürlich insbesondere, dass die Fahrgeschäfte in Gänze den Europa-Park Gästen zur Verfügung stehen.

Besonders erschreckend ist hingegen der Zustand in den Mittagsstunden im französischen Bereich und am Morgen im deutschen Bereich, wenn früh die Menschenmassen in den beliebten Freizeitpark strömen. Die Eigenverantwortung der Besucher aus aller Welt, klappte leider an den von uns anwesenden Besuchstagen nicht immer. Dann noch ein Großteil ohne Mundschutz, wenn gleich dieser in den aufgeführten Bereichen nicht vorgeschrieben war, aber nach der Maxime „Hauptsache schnell zum ersten Fahrgeschäft kommen“ spielten sich unglaubliche Szenen kurz nach dem Eingangsbereich ab. Dass die Eigenverantwortung der Bürger nicht groß ist beweisen seit einiger Zeit die täglichen Berichte in den diversen Medien, wo u.a. Zehntausende ohne Abstand und Mundschutz demonstrieren, Partys in Parks feiern und die Hygeniemaßnahmen nicht einhalten usw.

Auch im skandinavischen Bereich sah man die o.g. Situationen. Zwar waren die freundlichen Europa-Park Mitarbeiter bemüht die tausenden Besucher an die Vorschriften zu erinnern, aber leider hat dieses nach unserer Meinung nichts gebracht, da sich dieser Zustand bei unseren Besuchstagen nicht änderte. Aufgrund dieser misslichen Situationen in diesen Ausführungen war der Mund- und Nasenschutz zu 75% des Tages der ständige Begleiter des Schreibers dieser Zeilen. Und von 8.45 Uhr bis 18.00 Uhr, dann endeten die interessanten Tage im Ruster Freizeitpark, waren schon eine große Anstrengung. Der Besuch von Freizeitparks in diesen Corona Zeiten erfordert von jedem Besucher Eigenverantwortung und leider wird diese in der letzten Zeit auf eine harte Probe gestellt. Der Europa-Park war der zehnte Freizeitpark in wenigen Wochen, welcher durch unsere Redaktion besucht worden ist. Wir haben den Eindruck, dass die Corona Situation etlichen Besuchern bei fortschreitender Corona Pandemie „egal“ ist. Viele Besuchern ist das „Eigenwohl“ wichtiger als das „Gemeinwohl“. Aufforderungen von Mitarbeitern der jeweiligen Freizeitparks werden ignoriert. Achterbahnen werden ohne Mundschutz wie im Freizeitpark Plohn gefahren, aber auch die hier geschilderten Umstände in einem der weltbesten Freizeitparks der Welt sind nicht besser.

Foto: Andrej Woiczik
Auch auf den Straßen war dank vieler Walking Acts (und Besuchern) einiges los.

Das man in dieser Corona Zeit, trotz dieser umfangreichen negativen Ausführungen, eine schöne Zeit im Europa Park erleben konnte, dafür sorgten das tolle Wetter, dass stets freundliche Personal, das sehr gute Essen in den geöffneten Restaurants im Park, natürlich die unglaublich liebevoll gestalteten Themenbereiche, das Ambiente und natürlich auch die hervorragend betriebenen Fahrgeschäfte. Die Wartezeiten lagen am ersten Besuchstag sehr „besucherfreundlich“ mit meist 15-45 Minuten bei den jeweiligen Major Rides und steigerten sich in der Zeit von 11-16.00 Uhr dann auf bis zu 60 Minuten an den Folgetagen.

Mit einigen bekannten „Gesichtern“ wurden mit Abstand und Mundschutz nette Gespräche geführt und man genoss die Zeit im Europa Park, trotz der negativen Schilderungen. Eines muss Allen klar sein. Wer sich nicht an die „Spielregeln“ in den Freizeitparks unserer Republik hält, der riskiert, dass diese vor dem ursprünglichen Saisonende durch staatliche Instanzen geschlossen werden... und das will doch niemand,oder?

Also auf mit dem Mund- und Nasenschutz, wenn Ihr in einem Freizeitpark eine schöne Zeit erleben wollt und haltet den Mindestabstand von 1,50 Meter auf „familienfremde“ Personen ein.

Quelle: Andrej Woiczik