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2020-11-16 22:09:16 - 564 Aufrufe

Ein Tag in Six Flags America

Von Steffen & Andrej Woiczik

Der Sohn unseres Redakteurs Andrej, der 20-jährige Steffen, arbeitet nach seinem bestandenen Abitur in Arlington (Virgina) und berichtet erstmalig für Freizeitpark-Welt aus einem Freizeitpark.

Mit der Six Flags Saisonkarte (inkl. Gratis Parken) und einer „Vor ab Reservierung“ ausgestattet ging es für Steffen in einer Fahrzeit von 30 Minuten mit dem Auto von Arlington in den Six Flags Freizeitpark. Die amerikanische Freizeitpark-Kette Six Flags hat, wie fast alle Freizeitparks auf der Welt, sehr stark mit der Corona-Pandemie zu kämpfen. In den drei Übergangswochen von der Halloween-Saison zur Weihnachtssaison war der Freizeitpark nahe der amerikanischen Hauptstadt jeweils am Samstag und Sonntag geöffnet und an Steffens Besuchstag mäßig gefüllt. Im Gegensatz zu den deutschen Freizeitparks im Sommer muss hier der Mund- und Nasenschutz während des gesamten Aufenthalts getragen werden. Bei wechselnder Bewölkung und Temperaturen um 15 Grad war am Besuchstag Six Flags America von 11.00-17.00 Uhr geöffnet.

Der Eingang und die Mainstreet machten einen sehr guten Eindruck. Der Park ist in die Themenbereiche Main Street 1776, Chesapeake, Looney Tunes Movie Town, Mardi Gras, Gotham City und Coyote Creek aufgeteilt. In der Weihnachtszeit kommt noch der Bereich North Pole dazu. Wie bei fast allen Six Flags Parks üblich sucht man auch hier nach Thematisierungen in den Themenbereichen und den jeweiligen Fahrattraktionen vergeblich. Dafür steht der Thrill-Faktor sehr hoch im Kurs. Und genügend Thrill bietet die Washingtoner Six Flags Dependance allemal mit immerhin neun Achterbahnen.

Das SFA-Achterbahn Portfolio

Eine davon ist der ehemalige B&M Stand Up Coaster "Firebird", der aus Six Flags Great America seinen Weg im Jahr 2012 nach Upper Marlboro gefunden hatte. Im Jahr 2019 wurde er als Bolliger & Mabillard/Floorless Coaster umgebaut. Steffen bekam „warme Ohren“ bei seiner Fahrt. Die Schulterbügel bieten überhaupt keinen Komfort und verursachen häufige Kontaktaufnahmen, während der Fahrt, mit den Ohren der Achterbahnfans.

Foto: Steffen Woiczik

Aus dem Hause Vekoma kommt "Batwing" ein 1018 Meter langer Flying Coaster (Flying Dutchman). Der Zwilling der baugleichen Achterbahn heißt Firehawk und steht im Freizeitpark Kings Island. Die dritte Bahn dieses Typs steht aktuell in Carowinds und verfügt als Prototyp über ein etwas anderes Finale. Die hiesige Ausgabe ist aber immerhin der Einzige der drei Fliegenden Holländer, der nach seiner Eröffnung weder Namen noch Standort wechseln musste. Die 2001 im Themenbereich Gotham City eröffnete Achterbahn war einiges intensiver als der B&M Flying Coaster „Manta“ in Seaworld Orlando, welchen Steffen im Jahr 2014 gefahren ist. Die 5 Inversionen und die sehr ungewöhnliche Fahrposition (Beine angewinkelt und auf dem Bauch liegend) gingen ganz schön „auf den Kreislauf“. The Joker's Jinx von Premier Rides (Designer Werner Stengel) war das Highlight für Steffen im Six Flags America Park. Die am 08.05.1999 eröffnete Achterbahn ist ein LIM Launchcoaster mit einer Beschleunigung von 0 auf 97 km/h in drei Sekunden und mit den Fahrelementen Cobra Roll, Sidewinder und Corkscrew. Drei Fahrten hintereinander „gönnte“ sich Steffen. Sogar Sitzenbleiben war hier erlaubt, da es im Park relativ leer war und so gut wie nie Wartezeiten entstanden sind. Die Bahn fuhr sich dann auch sehr gut und ist eine Spaßmaschine.

Dazu gibt es einen Family Coaster "Great Chase" von Zamperla und aus Holz "Roar" von Great Coasters International. Die im Jahr 1998 eröffnete Bahn gab es auch baugleich bis zum Umbau im Jahr 2015 in Six Flags Discovery Kingdom. Die Fahreigenschaften waren zwar bescheiden, Steffen hatte aber seinen Spaß. Die zweite Holzachterbahn im Park heißt "The Wild One" und stammt aus dem Jahr 1917 und fand 1986 den Weg in den Six Flags Park. Im Laufe der vielen Betriebsjahre wurde sie mehrfach „renoviert“ und die Fahreigenschaften waren ganz okay, so Steffens Aussage.

Achterbahnhighlight "Superman - Ride of Steel"

Der Megacoaster von Intamin "Superman Ride of Steel" ist ein weiteres Highlight. Der Zusatz "Ride of Steel" ist zudem ein Hinweis auf den Ursprung dieser im Jahr 2000 eröffneten Bahn, denn es handelt sich lediglich um eine gespiegelte Kopie der ein Jahr zuvor in Darien Lake (damals ebenfalls unter Six Flags) eröffneten Bahn mit eben jenem Namen. Aus gut 60 Metern Höhe, die noch per klassischem Kettenlift erklommen werden, geht es mit 117 km/h in die Tiefe. Was dann folgt, ist ein wahrlich bizarrer Anblick. Denn den Wendepunkt des Layouts bildet eine 540°-Helix, bei der ein einfaches 2-Rohr-Schienenprofil zum Einsatz kommt. Die benötigen aber bekanntlich mehr Fundamente als die 3- oder gar 4-Rohr-Schienen. Besonders bei den hohen Geschwindigkeiten, wie sie hier vorzufinden sind. So steht in diesem Fall eine Stütze an der anderen. An die Helix schließt sich eine extrem spannende Gerade an, dann überfährt man den zweiten Airtimehügel. Darauf folgt - wie einfallsreich - eine zweite Helix. Mit nur 500° und "nur" 50 Fundamenten (zuvor 70). Deren Ausgang geht in einen netten Twisted Airtime Hill über. Noch zwei normale Airtimehügel, dann ist diese außergewöhnliche Fahrt nach gut 1600 Metern auch schon vorbei. Das Layout ist nicht gerade die Erfüllung der Mega-Coaster-Träume, dennoch sind die Airtimehügel sehr gut und machen viel Fahrfreude und eine Helix ist ja grundsätzlich nicht verkehrt. Aber gleich zwei so lange quasi direkt hintereinander? Die lange Gerade zwischen erster Helix und zweitem Airtimehügel setzt dem Ganzen aber die Krone auf. Steffen hat die Fahrt trotz der öden Gestaltung sehr gut gefallen. Nach einer Stärkung in einem „Burger Imbiss“ führte der Weg Steffen zum Vekoma SLC Coaster "Mind Eraser". Auf Grund der „schlagenden Argumente“ sah sich Steffen aber die Bahn nur von außen an. Dafür gönnte er sich lieber eine Fahrt "Rajin´Cajun. Die Spinning Maus aus dem Hause Zamperla dreht seit 2014 ihre Runden im Park. Eine spaßige Fahrt so Steffen. Zu den neun Achterbahnen gesellen sich dann die üblichen Flatrides und 3 Water Rides dazu. Einer davon ist Penguin's Blizzard River. Der Spinning Rapids Ride von WhiteWater West verbreitet gute Laune und macht Spaß. Auf die beiden anderen „Full Soak“ Wasserfahrattraktionen verzichtete Steffen lieber. Zusätzlich hat es direkt am Park noch den Wasserpark "Hurricane Harbor", der 12 Rutschen, Wellenbad und Lazy River zu bieten hat. Darkrides oder Indoorfahrgeschäfte sucht man in Six Flags America vergeblich.

Foto: Steffen Woiczik

Was lässt sich nun über den Freizeitpark nahe der amerikanischen Hauptstadt sagen?

Als einer der kleinsten Six Flags Parks bietet er dennoch ein interessantes Thrill- Angebot was einen schöne thrillige Stunden erleben lässt. Thematisierung außer im Eingangsbereich und im Themenbereich Main Street 1776 sucht man „Six Flags typisch“ vergebens, aber dennoch lohnt sich ein Besuch, wenn man wieder als deutscher Tourist in der „Nach Corona Zeit“ in die amerikanische Hauptstadt reisen will und kann. Steffen wird in der „Weihnachtssaison“ nochmals diesen Freizeitpark besuchen, es hat ihm gut bei seinem Debütbesuch gefallen. 50 Dollar zahlte Steffen für seine Saisonkarte bis zum Ende der Saison 2021 (im Januar 2022). Darin sind auch die Parkgebühren von 25 Dollar enthalten und Rabatt bei den Merch. Was will man mehr? Entgegen anderslautender Berichte in deutschsprachigen Fanforen war die Abfertigung der Fahrgeschäfte gut, aber wohl auch dem sehr geringen Andrang geschuldet. Die Mitarbeiter waren froh, dass überhaupt ausreichend Besucher den Weg nach Upper Marlboro, Maryland gefunden haben. Der Park war sauber und der Service okay so Steffen beim gestrigen vierten und letzten Whatsapp-Telefonat mit dem Schreiber dieser Zeilen. Ihm hat es sehr gut gefallen und das ist die Hauptsache, er hatte viel Spaß und konnte ein wenig von der Arbeit (in der Coronazeit) ausspannen. Noch ein wenig Merch gekauft und ab zurück ins 30 Minuten entfernte Arlington.

Quelle: Steffen & Andrej Woiczik